Die Kunst der grafischen Reduktion Anfang der 60er Jahre lernt Erhard Gr?ttner an der Hochschule f?r Grafik und Buchkunst Leipzig bei Prof. Bernhard Heisig nicht nur das zeichnerische Handwerk, sondern auch die Maxime "im Kopf Klarheit schaffen." Das hilft ihm auch im Laufe des Studiums, sich von seinem Lehrer, von dessen Stil er sich maximal entfernen will, abzunabeln. Er m?chte Gebrauchsgrafiker (heute hei?t das Grafik-Designer) werden. Ihn interessiert der grafische Auftritt und die Wirkung im ?ffentlichen Raum. Was Heisig nicht verstehen will, Wolfgang Mattheuer unterst?tzt ihn. Er erkennt Gr?ttners Talent f?r die grafische Reduktion. Schon als Student gewinnt er erste Wettbewerbe. Beobachten, Schl?sse ziehen, die Themen inhaltlich und grafisch auf den Punkt bringen, geh?rt nun zu seinem Arbeitsalltag. Erfolge sollten sich in den n?chsten Jahrzehnten, als er f?r Film, Theater und Verlage arbeitete, wiederholen. Berlin wird zu seinem neuen Arbeitsumfeld. Er lernt hier u.a. die Film- und Theaterregisseure Wolfgang Staudte, Konrad Wolf, Frank Beyer, Rainer Simon, Roland Gr?f, sowie Wolfram Krempel, Rolf Winkelgrund, Piet Drescher, Thomas Langhoff und Erdmut Christian August kennen. F?r die Filme und Theaterinszenierungen schafft er herausragende und beeindruckende Plakatl?sungen, die mit der ?blichen zeitgen?ssischen Werbewelt kaum etwas gemein haben. Er nennt es "auf die Zeit eingehen, ohne dem Zeitgeist zu verfallen". Gr?ttner kommentiert nicht, er seziert die Vorgaben und versucht den Themen in ihrer Deutung nahezukommen. Seine Arbeiten sollen die Phantasie der Betrachter anregen, ?ber seine gefundenen L?sungen nachzudenken, sie eventuell gedanklich zu erg?nzen, denn er liefert keine "Fertiggerichte". Er benutzt wiederholt perfekt die Form des "Heiku" f?r seine grafischen Findungen. Er ist eben kein langweiliger Bebilderer, kein langatmiger Geschichtenerz?hler und er betreibt auch keinen eitlen Personalstil. Neue Sinnbilder und Ans?tze zu gestellten Themen suchen, g?ngige Metaphern zu vermeiden oder umzudeuten, ist sein Credo. Sein Titel "in nuce" (laut Duden: im Kern, in K?rze, kurz und b?ndig) ist seine Philosophie. Alexander H. Lindner