Komödie, Theater, Auftritte und Abgange. Prag von der Vergangenheit bis in dieGegenwart - gesehen von einer experimentellen Autorin mit unverwechselbarerStimme, die einer Schauspielerfamilie entstammt. So läßt Daniela Hodrovádie Puppen tanzen, ihr dichtes Portrait Prags erwächst mehr und mehr aus einemEnsemble seltsam belebter Größen der böhmischen Kulturgeschichte wieauch ihrer eigenen Verwandten:Die Stadtteile Vinohrady und ikov mit dem ziemlich untoten Olany-Friedhofgeben die Bühne ab, auf der sich Hodrovás Figuren begegnen: der Vater, vieleJahre am Theater Vinohrady, die verwirrt sterbende Tante, die von 'Harpyien'- den mythischen Raubvogelmenschen - gequälte Großmutter, der schillernde,ständig seinen Selbstmord aufschiebende 'sonderbare Philosoph' LadislavKlima, die mythische Gründerin der Stadt Libue, die unglückliche SchriftstellerinBoena N¿mcová, die vielgerühmte Schönheit Zdenka Havli¿kova - ihr Vaterrebellischer Vordenker der antihabsburgischen Nationalbewegung -, die wegender unpatriotischen Liebe ausgerechnet zu einem k.u.k. Leutnant auf einmalvom ganzen Land verstoßen wird, Karel Sabina, Autor des Librettos von SmetanasOper 'Die verkaufte Braut', der verrückte Dichter Hölderlin, die 1950 hingerichteteRegimekritikerin Milada Horáková und selbst die Übersetzerin ihrerRomantrilogie Città dolente, aus der sich obendrein Figuren wie die verzweifelte,verfolgte Jüdin Alice Davidovi¿ unter die Hauptdarsteller dieses Folgeromansmischen, ganz wie der Geschichtenerzähler Bohumil Hrabal, der - wieandere vor ihm - reichlich seltsam aus einem Prager Fenster stürzt.Daniela Hodrová belebt längst Vergessenes, sucht es in den Geschichten ihrerStadt. Der Roman - selbst Theater in fünf Akten - hat weder Chronologienoch einen Handlungsfaden, Autobiographisches mischt sich mit Fiktivem, Zeitgrenzenverschwimmen, die Grenze zwischen Leben und Tod wird aufgehoben.Komödie ist kein Lustspiel, sondern überbordendes, absurdes Theaterspielen.